Köln hat viele Besonderheiten. Eine davon ist das Kölsche Grundgesetz – elf einfache Lebensregeln, die seit Generationen weitergegeben werden. Was auf den ersten Blick nach kölscher Folklore klingt, enthält erstaunlich viel Weisheit über den Umgang mit Menschen, mit Herausforderungen und mit sich selbst. Auch in unserem Redeclub, den Rheinrednern, begegnen uns diese Prinzipien immer wieder. Denn wer lernen möchte, vor anderen zu sprechen, Feedback anzunehmen oder neue Menschen kennenzulernen, braucht oft genau die Haltung, die das Kölsche Grundgesetz vermittelt.

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Lasst uns das einmal entlang der elf „Grundgesetze“ herunterbrechen:

1. Et es wie et es (Es ist, wie es ist).

Nicht jede Rede läuft perfekt. Manchmal vergisst man einen wichtigen Punkt, verhaspelt sich oder merkt schon nach den ersten Sätzen, dass man den Einstieg hätte besser gestalten können. Das passiert Anfängern ebenso wie erfahrenen Rednern. Die erste Regel des Kölschen Grundgesetzes erinnert uns daran, diese Realität anzunehmen, statt mit ihr zu hadern. Wer sich ständig darüber ärgert, was hätte besser laufen können, bleibt in der Vergangenheit hängen. Wer hingegen akzeptiert, was passiert ist, kann daraus lernen und beim nächsten Mal stärker auftreten. Auch bei den Rheinrednern erleben wir immer wieder, dass die größten Fortschritte durch die Bereitschaft entstehen, sich auszuprobieren. Und das auch auf die Gefahr hin, vielleicht einmal einen Fehler zu machen.

2. Et kütt wie et kütt (Es kommt, wie es kommt).

Wer schon einmal eine improvisierte Stegreifrede gehalten hat, kennt das Gefühl: Man bekommt eine unerwartete Frage gestellt und hat plötzlich nur wenige Sekunden Zeit, seine Gedanken zu ordnen. Dann heißt es improvisieren. Im Berufsleben ist das oft nicht anders. Eine unerwartete Frage im Meeting, eine spontane Vorstellungsrunde oder eine Diskussion, die plötzlich eine neue Richtung nimmt – nicht alles lässt sich planen. Die zweite Regel erinnert uns daran, dass wir nicht jede Situation kontrollieren können. Entscheidend ist vielmehr, wie wir mit dem Unvorhergesehenen umgehen. Wer lernt, auch in ungeplanten Momenten ruhig zu bleiben, gewinnt Sicherheit und Selbstvertrauen.

3. Et hätt noch immer jot jejange (Es ist noch immer gut gegangen).

Kaum etwas hält Menschen stärker vom Sprechen vor Gruppen ab als die Angst vor dem Scheitern. Was, wenn ich den Faden verliere? Und was, wenn alle merken, wie nervös ich bin? Die Erfahrung zeigt jedoch: Die meisten dieser Befürchtungen treten nie ein. Und selbst wenn einmal etwas nicht optimal läuft, ist die Situation meist viel weniger dramatisch als in unserer Vorstellung. Viele Mitglieder erinnern sich nach ihrer ersten Rede daran, wie nervös sie vorher waren. Nach wenigen Minuten merken sie dann: Die Zuhörer sind wohlwollend. Niemand wartet auf Fehler. Und am Ende geht es tatsächlich meistens gut aus.

4. Wat fott es, es fott (Was weg ist, ist weg).

Wir alle kennen sicherlich Situationen, die wir im Nachhinein gerne ändern oder ungeschehen machen würden. Vielleicht war in einem Vortrag einmal eine Formulierung unglücklich, vielleicht hat man eine gute Gelegenheit zu einer starken Pointe verpasst oder eine Antwort nicht schnell genug parat gehabt. Doch Grübeln verändert die Vergangenheit nicht. Wer sich dauerhaft mit alten Fehlern beschäftigt, nimmt sich die Energie für neue Chancen. Gerade beim Redenlernen ist diese Haltung wertvoll – denn eine Rede ist vorbei, sobald sie gehalten wurde. Was bleibt, sind die Erkenntnisse daraus. Und nur, wer eigene Fehler loslassen kann, entwickelt sich weiter.

5. Et bliev nix wie et wor (Nichts bleibt, wie es war).

Viele Menschen glauben, sie seien entweder gute Redner oder eben nicht. Dabei zeigt die Erfahrung etwas ganz anderes: Kommunikationsstärke ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die sich entwickeln lässt. Wer regelmäßig übt, Feedback bekommt und neue Erfahrungen im Reden vor Publikum sammelt, verbessert sich. Und das oft schneller, als er oder sie es selbst wahrnimmt. Bei den Rheinrednern lässt sich das besonders gut beobachten: Menschen, die anfangs kaum vor einer Gruppe sprechen wollten, moderieren einige Monate später Veranstaltungen oder halten überzeugende Präsentationen im Beruf. Veränderung ist möglich – wenn man ihr eine Chance gibt.

6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet (Was wir nicht kennen, brauchen wir nicht).

Diese Regel wird häufig mit einem Augenzwinkern zitiert. Gleichzeitig steckt darin eine Warnung: Wer Neues grundsätzlich ablehnt, verschließt sich Möglichkeiten. Beispiel Rheinredner: Viele Menschen haben vermutlich noch nie von einem Redeclub gehört. Andere verbinden damit trockene Vorträge oder strenge Rhetorikschulungen. Wer dann einmal bei uns vorbeischaut (wir treffen uns jeden Donnerstag ab 19.15 Uhr im „Tenri“ am Kartäuserwall 20, in der Kölner Südstadt), entdeckt oft etwas ganz anderes: eine Gemeinschaft, in der man voneinander lernt, sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam wächst.

7. Wat wells de maache (Was willst du machen)?

Nicht jede Situation lässt sich beeinflussen, auch nicht im Kontext von Reden: Mal wird eine Präsentation kurzfristig vorgezogen, mal streikt die Technik. In solchen Momenten hilft es wenig, sich über die Umstände zu ärgern. Viel wichtiger ist die Frage: Was kann ich jetzt tun? Diese lösungsorientierte Haltung schafft Handlungsfähigkeit. Statt sich auf Probleme zu konzentrieren, richtet man den Blick auf Auswege aus diesen. Wer flexibel bleibt, kommt oft besser ans Ziel als jemand, der auf perfekten Bedingungen besteht.

8. Maach et joot, ävver nit zo off (Mach es gut, aber nicht zu oft).

Perfektionismus kann ein großer Bremsklotz sein. Manche Menschen überarbeiten jede Präsentation unzählige Male, formulieren jeden Satz neu und warten auf den perfekten Moment für ihre Rede. Doch Entwicklung entsteht nicht durch endlose Vorbereitung, sondern durch Erfahrung. Irgendwann muss man anfangen. Die achte Regel des Kölschen Grundgesetzes erinnert uns (im übertragenen Sinne) daran, dass man Dinge natürlich gut machen sollte – aber ohne sich darin zu verlieren. Wer regelmäßig kleine Schritte geht, kommt in vielen Fällen weiter als jemand, der zu lange auf die perfekte Gelegenheit wartet.

9. Wat soll dä Quatsch (Was soll der Unsinn)?

Viele Menschen tragen Überzeugungen mit sich herum wie: „Ich kann nicht vor Menschen sprechen.“ Oder: „Ich bin einfach zu schüchtern dafür.“ Doch stimmt das wirklich? Oder handelt es sich um alte Annahmen, die nie ernsthaft überprüft wurden? Manchmal lohnt es sich, solch eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen. Die neunte Regel lädt deshalb dazu ein, kritisch auf die eigenen Grenzen zu schauen. Nicht jede Angst ist berechtigt, nicht jede Ausrede hält einer ehrlichen Prüfung stand. Und wer den Mut hat, solche Glaubenssätze einmal infrage zu stellen, entdeckt oft völlig neue Möglichkeiten.

10. Drinks de ejne met (Trinkst du einen mit)?

Ein Vortrag endet häufig nicht mit dem offiziellen Programmende, denn oft entstehen die wertvollsten Gespräche erst danach. Auch bei den Rheinrednern gehört es für viele Mitglieder dazu, nach dem Clubabend noch gemeinsam ins Brauhaus um die Ecke zu gehen. Dort wird weiterdiskutiert, gelacht, Erfahrungen werden geteilt und neue Ideen entstehen. Aus kurzen Gesprächen werden Bekanntschaften, und in vielen Fällen im Lauf der Zeit aus diesen dann auch tiefe Freundschaften. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen nach Gemeinschaft suchen, zeigt diese Regel, wie wichtig persönliche Begegnungen sind – egal, ob auf eine Limo oder ein Kölsch.

11. Do laachs de dich kapott (Da lachst du dich kaputt).

Humor macht das Leben leichter – und gute Kommunikation in vielen Fällen ebenso. Wer über sich selbst lachen kann, wirkt nahbar. Wer Humor in Vorträge einbaut, bleibt im Gedächtnis. Und wer auch schwierige Situationen mit einem Lächeln betrachtet, nimmt ihnen oft ihren Schrecken. Bei den Rheinrednern wird im Rahmen der Reden viel gelernt, aber auch viel gelacht. Denn Kommunikation ist keine ernste Wissenschaft allein; sie lebt ganz entscheidend von Persönlichkeit, Spontanität und Freude am Austausch.

Das Kölsche Grundgesetz ist weit mehr als eine Sammlung lokaler Sprüche. Es beschreibt eine Haltung zum Leben, die von Gelassenheit, Offenheit und Gemeinschaft geprägt ist. Eigenschaften, die nicht nur Köln ausmachen, sondern auch jeden bereichern, der den Mut hat, seine Stimme zu erheben, Neues auszuprobieren und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Willkommen bei den Rheinrednern!